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Leistungen der Pflegekasse ab 1.01.2015

 

 

Im Folgenden sollen einige Fragen rund um die Begutachtung und die Pflegestufen beantwortet werden. Eines vorweg: Egal welche Leistung der Pflegekasse Sie beanspruchen möchten, für alle Leistungen ist immer ein entsprechender Antrag notwendig. 

Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung - MDK

Die wesentliche Grundlage für die Entscheidungen der Pflegekasse ist das Gutachten des MDK. Der MDK ist eine unabhängige Gemeinschaftseinrichtung aller gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungen. Bevor die Pflegekasse erstmalig über Leistungen entscheidet, erfolgt zunächst eine Begutachtung durch den MDK, der von der Pflegekasse beauftragt wird. Die Begutachtung wird von Ärzten oder Pflegefachkräften bei Ihnen zu Hause oder in der Kurzzeitpflege bzw. im Pflegeheim durchgeführt. Der Termin wird Ihnen rechtzeitig mitgeteilt.
Grundlage der Begutachtung sind die Richtlinien der Spitzenverbände der Pflegekassen zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches (SGB XI).www.mds-ev.de/media/pdf/BRi_Pflege_2013_Lesezeichen.pdf
Bei der Begutachtung versucht der Gutachter, die Gutachterin sich ein möglichst genaues Bild über die Situation des Pflegebedürftigen zu machen. Er/Sie beurteilt hierbei die notwendigen Hilfen in folgenden Bereichen:

 
  • Körperpflege
    Waschen, Duschen, Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, Rasieren, die Darm- oder Blasenentleerung
  • Ernährung
    mundgerechtes Zubereiten der Mahlzeiten oder die Aufnahme der Nahrung
  • Mobilität
    selbstständiges Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppen steigen oder das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung
  • Hauswirtschaftlichen Versorgung
    Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung oder das Beheizen der Wohnung
Wenn Sie Ihren Angehörigen zu Hause pflegen, ist es sinnvoll, vor dem Besuch des MDK eine Woche lang ein sogenanntes Pflegetagebuch zu führen, in dem alle Pflegetätigkeiten und die dafür benötigten Zeiten erfasst werden. Auch wenn es aufwendig erscheint, hilft das Pflegetagebuch dem Gutachter, der Gutachterin sich ein möglichst genaues, realistisches Bild von der Pflegesituation zu machen. Pflegetagebücher erhalten Sie kostenlos von Ihrer Pflegekasse, oder über: Pflegetagebuch der Landesstelle Pflegende Angehörige NRW.
Das Gutachten des MDK ist die Grundlage für die Einstufung in eine Pflegestufe. Darüber hinaus gibt der Gutachter – sofern erforderlich – auch Empfehlungen z.B. zur Anschaffung von Hilfsmitteln.
Über das Ergebnis der Begutachtung werden Sie von Ihrer Pflegekasse schriftlich informiert. Sollten Sie mit dem Ergebnis der Begutachtung nicht einverstanden sein, können Sie gegen die Entscheidung der Pflegekasse innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Sie haben auch die Möglichkeit, sich das Gutachten des MDK zukommen zu lassen. Anhand des Gutachtens können Sie dann genau nachvollziehen, welche Zeitanteile der Gutachter für welche Hilfestellungen angerechnet hat.
Sofern sich der Gesundheitszustand verschlechtert, besteht jederzeit die Möglichkeit eine höhere Pflegestufe zu beantragen.
 

Pflegestufen und Pflegezeiten

Aus den notwendigen Hilfen in den Bereichen Körperpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftlicher Versorgung ergibt sich schließlich die Pflegestufe. Man unterscheidet dabei die Pflegestufen I, II und III. Diese sind wie folgt definiert:
  • Pflegestufe I (erheblich Pflegebedürftige):
    Täglich mindestens 90 Minuten Pflege, davon mehr als 45 Minuten Grundpflege.
Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität (= Grundpflege) für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der erforderliche zeitliche Hilfebedarf muss im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege (Köperpflege, Ernährung, Mobilität)  mehr als 45 Minuten entfallen. Liegt der zeitlich Hilfebedarf unter diesen Werten, wird keine Pflegestufe zuerkannt.
  • Pflegestufe II (Schwerpflegebedürftige):
Täglich mindestens 3 Stunden Pflege, davon mehr als 2 Stunden Grundpflege.
Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität (= Grundpflege) mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der erforderliche zeitliche Hilfebedarf muss im Tagesdurchschnitt mindestens drei Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege (Köperpflege, Ernährung, Mobilität) mindestens zwei Stunden entfallen.
  • Pflegestufe III (Schwerstpflegebedürftige):
Täglich mindestens 5 Stunden Pflege, davon mehr als 4 Stunden Grundpflege.
Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität täglich rund um die Uhr, auch nachts, der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der erforderliche zeitliche Hilfebedarf muss im Tagesdurchschnitt mindestens fünf Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege (Köperpflege, Ernährung, Mobilität) mindestens vier Stunden entfallen.
Ausnahmsweise kann die Pflegekasse zusätzliche Leistungen gewähren (im Folgenden: Stufe III mit Härte). Dies ist bei Pflegebedürftigen möglich, bei denen ein außergewöhnlich hoher und intensiver Pflegeaufwand erforderlich ist, der das übliche Maß der Pflegestufe III noch weit übersteigt. Die Leistungen werden zur Vermeidung von Härten bei Pflegesachleistungen und stationärer Pflege gewährt.
 

Eingeschränkte Alltagskompetenz

Viele Pflegebedürftige haben neben dem Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung, Mobilität) und der hauswirtschaftlichen Versorgung einen erheblichen Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung, der allerdings bei der Ermittlung der Pflegestufe kaum Berücksichtigung findet.

Daher ist inzwischen neben der Einstufung in eine Pflegestufe für die Leistungen der Pflegekasse maßgeblich, ob die Alltagskompetenz eines Pflegebedürftigen eingeschränkt ist. Dies betrifft alle Pflegebedürftigen der Pflegestufen I, II und III, aber auch Pflegebedürftige, die noch nicht die Pflegestufe I erreichen (sogenannte Pflegestufe 0) mit z.B. demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen, bei denen ein erheblicher Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung gegeben ist. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, überprüft der MDK im Rahmen der Begutachtung. Auch hier ist wie bei allen Leistungen der Pflegekasse ein Antrag bei der zuständigen Pflegekasse Voraussetzung.

 

Die einzelnen Leistungen der Pflegekasse

Je nachdem, ob ein pflegebedürftiger Mensch zu Hause oder in einem Heim lebt, werden von der Pflegekasse verschiedene finanziellen Leistungen gewährt. Die Höhe der Leistungen ist abhängig von der Pflegestufe.
 

Häusliche Pflege

Sofern die Pflege zu Hause geleistet wird, können Pflegebedürftige zwischen Pflegegeld, Sachleistungen oder Kombinationsleistungen wählen. Daneben können zusätzliche Betreuungs-und Entlastungsleistungen, Leistungen zur Tages- oder Kurzzeitpflege oder Leistungen zur Verhinderungspflege gewählt werden.
 

Pflegegeld für häusliche Pflege

Wird die erforderliche Pflege z.B. durch Angehörige geleistet, wird ein Pflegegeld gezahlt. Das Pflegegeld ist grundsätzlich steuerfrei.
Sofern Pflegegeld in Anspruch genommen wird, besteht die Verpflichtung bei Pflegestufe I und II halbjährlich, sowie bei Pflegestufe III vierteljährlich eine Beratung durch einen anerkannten ambulanten Pflegedienst in Anspruch zu nehmen.
 
Monatliche Leistung:
 
Stufe der Pflegebedürtigkeit

 

 Leistungen pro Monat

 Pflegestufe 0 (mit z.B Demenz *)  123,00 Euro
 Pflegestufe I  244,00 Euro
 Pflegestufe I (mit z.B. Demenz *)  316,00 Euro
 Pflegestufe II  458,00 Euro
 Pflegestufe II (mit z.B.Demenz *)  545,00 Euro
 Pflegestufe III  728,00 Euro
 Pflegestufe III (mit z.B.Demenz *)  728,00 Euro
 
* Gilt für Personen, bei denen neben dem Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege (Köperpflege, Ernährung, Mobilität) und der hauswirtschaftlichen Versorgung ein erheblicher Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung gegeben ist. Dies sind Pflegebedürftige der Pflegestufen 0, I, II oder III mit z.B. einer demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen, bei denen der MDK im Rahmen der Begutachtung eine dauerhafte, erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz festgestellt hat.

Sachleistungen für häusliche Pflege

Wird die Pflege ganz oder teilweise von einem ambulanten Pflegedienst übernommen, können die sogenannten Sachleistungen in Anspruch genommen werden.
Voraussetzung für die Gewährung von Sachleistungen ist, dass der Pflegedienst einen Versorgungsvertrag mit den Pflegekassen geschlossen hat.
 

Stufe der Pflegebedürtigkeit

 Leistungen pro Monat

 Pflegestufe 0 (mit z.B. Demenz *)  231,00 Euro
 Pflegestufe I  468,00 Euro
 Pflegestufe I (mit z.B. Demenz *)  689,00 Euro
 Pflegestufe II  1.144,00 Euro
 Pflegestufe II (mit z.B. Demenz *)  1.298,00 Euro
 Pflegestufe III  1.612,00 Euro
 Pflegestufe III (mit z.B. Demenz *)  1.612,00 Euro
 Härtefall  1.995,00 Euro
 Härtefall (mit Demenz *)  1.995,00 Euro
 
* Gilt für Personen, bei denen neben dem Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege (Köperpflege, Ernährung, Mobilität) und der hauswirtschaftlichen Versorgung ein erheblicher Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung gegeben ist. Dies sind Pflegebedürftige der Pflegestufen 0, I, II oder III mit z.B. einer demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen, bei denen der MDK im Rahmen der Begutachtung eine dauerhafte, erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz festgestellt hat.
 

Kombinationsleistungen

Wird die Pflege teilweise von einem ambulanten Pflegedienst übernommen, der Sachleistungsbetrag aber nicht voll ausgeschöpft, zahlt die Pflegekasse dem Pflegebedürftigen noch ein anteiliges Pflegegeld aus. Das anteilige Pflegegeld entspricht dem Prozentanteil der nicht in Anspruch genommenen Sachleistungen. Es wird also eine Kombination aus Sachleistungen und Pflegegeld gewährt.

Zusätzliche Betreuungs-und Entlastungsleistungen

Bei erheblichen Einschränkungen der Alltagskompetenz besteht die Möglichkeit, je nach Betreuungsbedarf  und erhöhtem Pflegeaufwand, 104 Euro oder 208 Euro monatlich zusätzlich von den Pflegekassen zu erhalten. 
Wichtig: Wer noch keine Leistungen bezogen hat, muss einen Antrag bei der zuständigen Pflegekasse stellen.
Zusätzliche Betreuungsleistungen können ambulant versorgte Pflegebedürftige erhalten, bei denen neben dem Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege (Köperpflege, Ernährung, Mobilität) und der hauswirtschaftlichen Versorgung ein erheblicher Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung gegeben ist. Dies sind Pflegebedürftige der Pflegestufen 0, I, II oder III mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen, bei denen der MDK im Rahmen der Begutachtung eine dauerhafte, erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz festgestellt hat.www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/infoblatt8_pflegeversicherung.pdf
 
Die zusätzlichen Betreuungsleistungen sind zweckgebunden für qualitätsgesicherte anerkannte Anbieter einzusetzen. Die Pflegekassen erstatten Aufwendungen
  • der anerkannten Tagespflege,
  • der anerkannten Kurzzeitpflege,
  • der anerkannten ambulanten Pflegedienste, sofern es sich um besondere Angebote der allgemeinen Anleitung und Betreuung  und nicht um Leistungen der Grundpflege handelt (die Pflegedienste werden Sie hierzu gerne beraten),
  • der nach Landesrecht anerkannten niedrigschwelligen Betreuungs-und Entlastungsangebote (Erkundigen Sie sich hiernach bitte bei der Pflegeberatung oder bei Ihrer Pflegekasse.)

Ab dem 01.01.2015 können Pflegebedürftige der Pflegestufen I, II und III ohne Einschränkung der Alltagskompetenz Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Höhe des Grundbetrages von 104 Euro monatlich in Anspruch nehmen. Auch hier gilt: Vorher einen Antrag bei der Pflegekasse zu stellen, und sich die Liste der anerkannten Dienstleister geben lassen.

Wer seinen Anspruch auf ambulante Pflegesachleistungen nicht voll ausschöpft, kann zudem den nicht für den Bezug von ambulanten Sachleistungen genutzten Betrag, maximal aber 40% für anerkannte niedrigschwellige Betreuungs-und Entlastungsangebote verwenden.

Tagespflege

Tagespflege kann die richtige Hilfe sein, wenn z.B. der Pflegebedürftige, die Pflegebedürftige tagsüber nicht ohne Aufsicht bleiben kann oder wenn ambulante Pflege zu wenig und ein Pflegeheim zu viel wäre. In der Regel sind die Tagespflegen von Montag bis Freitag von 8.00-16.00 Uhr geöffnet.
 

Stufe der Pflegebedürtigkeit

 Leistungen pro Monat

 Pflegestufe 0 (mit z.B. Demenz *)  231,00 Euro
 Pflegestufe I  468,00 Euro
 Pflegestufe I (mit z.B. Demenz *)  689,00 Euro
 Pflegestufe II  1.144,00 Euro
 Pflegestufe II (mit z.B. Demenz *)  1.298,00 Euro
 Pflegestufe III  1.612,00 Euro
 Pflegestufe III (mit z.B. Demenz *)  1.612,00 Euro
 
* Gilt für Personen, bei denen neben dem Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege (Köperpflege, Ernährung, Mobilität) und der hauswirtschaftlichen Versorgung ein erheblicher Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung gegeben ist. Dies sind Pflegebedürftige der Pflegestufen 0, I, II oder III mit z.B. einer demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen, bei denen der MDK im Rahmen der Begutachtung eine dauerhafte, erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz festgestellt hat.

Kurzzeitpflege

Kann die Pflege zeitweise zu Hause nicht oder nicht im erforderlichen Umfang sichergestellt werden, kann die vorübergehende Pflege in einer stationären Einrichtung erforderlich werden. Das gilt z.B. für eine Übergangszeit im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung.
Die Pflegekasse übernimmt nach Antragstellung für Pflegebedürftige ( im Sinne des Rechts der Pflegeversicherung) maximal 28 Tage im Kalenderjahr die pflegebedingten Aufwendungen bis zu einem Gesamtbetrag von bis zu 1.612 €. Der im Kalenderjahr bestehende, noch nicht verbrauchte Leistungsbetrag der Verhinderungspflege kann auch für Leistungen der Kurzzeitpflege eingesetzt werden. Der für die Kurzzeitpflege in Anspruch genommene Erhöhungsbetrag wird auf den Leistungsbetrag für eine Verhinderungspflege angerechnet. Lassen Sie sich vor Antritt der Kurzzeitpflege von der zuständigen Pflegekasse beraten, um sich über die Höhe die Dauer der Leistungen und des ggf. weitergezahlten Pflegegeldes umfassend beraten zu lassen.

Verhinderungspflege

Wenn der Pflegende oder die Pflegende ausfällt, wegen Erholungsurlaub, Krankheit oder aus anderen Gründen an der Pflege gehindert ist, übernimmt die Pflegekasse nach vorheriger Antragstellung die nachgewiesenen Kosten für einen Ersatz im Rahmen der Verhinderungspflege - auch stundenweise. Voraussetzung ist neben dem Vorliegen der Pflegestufe, dass die Pflegeperson den Pflegebedürftigen vor der erstmaligen Verhinderung mindestens 6 Monate in seiner häuslichen Umgebung gepflegt hat. 

Pflege bei Verhinderung einer Pflegeperson durch Personen, die keine nahen Angehörigen sind, die nicht bis zum 2. Grade mit dem Betreuungsbedürftigen bzw. Pflegebedürftigen verwandt oder verschwägert sind und auch nicht mit ihm in häuslicher Gemeinschaft leben. Die Pflegekasse erstattet dann für 6 Wochen pro Kalenderjahr die nachgewiesenen Kosten bis zu 1.612 Euro. Außerdem kann bis zu 50% des Leistungsbetrages für Kurzzeitpflege (das sind 806 Euro) zusätzlich für Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. Verhinderungspflege kann dadurch auf max. 150% des bisherigen Betrages ausgeweitet werden. Der für die Verhinderungspflege in Anspruch genommene Erhöhungsbetrag wird auf den Leistungsbetrag für eine Kurzzeitpflege angerechnet. Die genannten Beträge gelten, wenn die pflegerische Versorgung zu Hause von einem ambulanten Pflegedienst, Freunden, Bekannten oder entfernten Verwandten oder in einer stationären Einrichtung erbracht werden. Bei einer Verhinderungspflege durch nahe Angehörige - verwandt oder verschwägert 1. und 2. Grades- oder Personen, die mit dem Pflegebedürftigen in häuslicher Gemeinschaft leben, wird die Verhinderungspflege ebenfalls auf bis zu sechs Wochen im Kalenderjahr ausgedehnt. Die Aufwendungen sind jedoch grundsätzlich auf den 1,5-fachen Betrag des Pflegegeldes der festgestellten Pflegestufe beschränkt. Zusätzlich entstehende Kosten können gegen einen entsprechenden Nachweis von der Pflegekasse erstattet werden. Das betrifft z.B. Fahrtkosten oder Verdienstausfall. Insgesamt kann ein Betrag von maximal 1612 Euro pro Jahr übernommen werden. Lassen Sie sich vor Antritt der Verhinderungspflege von der zuständigen Pflegekasse beraten, um sich über die Höhe die Dauer der Leistungen und des ggf. weitergezahlten Pflegegeldes umfassend beraten zu lassen.

Neben den beschriebenen Leistungen gewährt die Pflegekasse bei häuslicher Versorgung weitere Leistungen wie z.B. Pflegehilfsmittel und technische Hilfen, Mittel zur Wohnraumanpassung, Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen oder Leistungen zur sozialen Sicherung der Pflegepersonen. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie bei der Pflegeberatung oder bei Ihrer Pflegekasse.

Familienpflegezeitgesetz/ Pflegezeitgesetz

Seit dem 1. Juli 2008 besteht für pflegende Angehörige, die berufstätig sind, die Möglichkeit, sich für 10 Tage für die Pflege naher Angehöriger freistellen zu lassen. Arbeitnehmer, die in einem Betrieb mit mehr als 14 Beschäftigten tätig sind, können sich für 6 Monate freistellen lassen. Schon bisher konnten Beschäftigte eine zehntägige Auszeit von der Arbeit nehmen, wenn sie kurzfristig eine neue Pflegesituation für einen nahen Angehörigen organisieren müssen. Neu ist, dass sie nun, für einen pflegebedürftigen Angehörigen für bis zu zehn Arbeitstage Anspruch auf Lohnersatzleistung haben, das Pflegeunterstützungsgeld. Dieses können Sie bei der Pflegeversicherung ihres Angehörigen beantragen. Beschäftige, die sich nach dem Pflegezeitgesetzt für eine bis zu sechsmonatige teilweise oder vollständige Freistellung entscheiden, haben mit Inkrafttreten des neuen Gesetztes einen Anspruch auf Förderung durch ein zinsloses Darlehen. Dieses Darlehen zur besseren Absicherung des Lebensunterhaltes können sie direkt beim Bundesministerium für Familie und zivilgesellschafttlichen Aufgaben beantragen. Wer sich über einen längeren Zeitraum um einen pflegebedürftigen Angehörigen in häuslicher Umgebung kümmern muss, kann eine Freistellung nach dem Familienpflegezeitgesetz in Anspruch nehmen. Beschäftigte sind für die Dauer von bis zu 24 Monaten bei einer verbleibenden Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden hierfür teilweise freizustellen. Der Anspruch auf ein zinsloses Darlehen besteht auch bei der Familienpflegezeit. Näheres zu den neuen Regelungen lesen Sie hier: www.wege-zur-pflege.de/neu-seit-112015.html

Vollstationäre Pflege

Manchmal gibt es Situationen, in denen die Versorgung eines pflegebedürftigen Menschen zu Hause dauerhaft nicht mehr sichergestellt werden kann. Dann ist der Umzug in eine vollstationäre Einrichtung, also ein Pflegeheim, oft die beste Möglichkeit. Auch hier hängt die Höhe der Leistung der Pflegekasse von der Pflegestufe ab.

Stufe der Pflegebedürtigkeit

 Leistungen pro Monat

 Pflegestufe I  1.064,00 Euro
 Pflegestufe II  1.330,00 Euro
 Pflegestufe III  1.612,00 Euro
 Härtefall  1.995,00 Euro

 

Leistungen der Pflegekasse ab 01.01.2017

Die Pflegeversicherung

Pflegebedürftigkeit bedeutet für Betroffene und ihre Angehörigen große körperliche, psychische und finanzielle Belastungen. Um Pflegebedürftige und ihre Familien zu entlasten, wurde zum 1. Januar 1995 die Pflegeversicherung als neuer eigenständiger Zweig der Sozialversicherung eingeführt. Die Pflegeversicherung ist jedoch lediglich eine Grundsicherung (Teilkaskoversicherung). In vielen Fällen reichen die Leistungen nicht aus, um den Hilfe- und Pflegebedarf voll zu decken.

Seit dem 01.01.2017 ist für die Feststellung von Pflegebedürftigkeit der Grad der Selbstständigkeit bzw. die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und der Fähigkeiten im alltäglichen Leben ausschlaggebend. Alle Pflegebedürftigen haben dadurch einen gleichberechtigten Zugang zu Pflegeleistungen - unabhängig davon, ob der Pflegebedarf durch körperliche, kognitive oder geistige Ursachen entsteht.

Wie bekomme ich eine Pflegestufe?

Antragstellung

Leistungen der Pflegeversicherung gibt es nur auf Antrag. Mit der Mitgliedschaft bei einer gesetzlichen Krankenkasse ist in der Regel auch automatisch die Mitgliedschaft bei der angegliederten Pflegekasse verbunden. Rufen Sie einfach die Geschäftsstelle Ihrer Krankenkasse an und lassen sich mit Ihrer zuständigen Pflegekasse verbinden. Dann stellen Sie den Antrag auf Leistungen der Pflegekasse.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schicken Ihnen einen Antrag zu und sind Ihnen auch bei weiteren Fragen behilflich. Nachdem Sie den ausgefüllten Antrag an die Pflegekasse geschickt haben, beauftragt die Pflegekasse eine Prüfung durch den MDK- den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung bzw. Medicproof bei den privat Versicherten.

Pflegebedürftige und deren Angehörige haben nach dem Erstantrag bei der Pflegekasse einen Anspruch auf ein umfassendes Beratungsgespräch, auf Wunsch auch zu Hause.

Begutachtung

Wenn Sie Leistungen der Pflegekasse beantragen, prüft die Pflegekasse zunächst, ob und in welchem Umfang Sie als pflegebedürftig eingestuft werde können. Hierzu kommt ein Arzt/eine Ärztin oder eine Pflegefachkraft des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) oder Medicproof zu Ihnen nach Hause und erstellt ein entsprechendes Gutachten.

Hinweise zur Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MDK)

Auf den Besuch des MDK sollten Sie sich gut vorbereiten. Überlegen Sie sich bereits vor dem Besuch des MDK, welcher Hilfebedarf im Einzelnen vorliegt. Überlegen Sie vorab, was Ihnen in Ihrem Alltag besondere Schwierigkeiten macht.

  • Wobei benötigen und wünschen Sie Unterstützung in Ihrem Alltag?
  • Was können Sie in Ihrem Alltag selbstständig ausführen?
  • Bitten Sie den Menschen, der Sie hauptsächlich pflegt oder Ihre Situation besonders gut kennt, beim Hausbesuch anwesend zu sein.
  • Falls Sie einen gesetzlichen Betreuer haben, informieren Sie ihn bitte über den Hausbesuch.
  • Legen Sie bitte - falls vorhanden - Berichte Ihres Hausarztes, von Fachärzten oder den Entlassungsbericht aus der Klinik bereit. Sollten Sie die Unterlagen nicht vorliegen haben, brauchen Sie diese jedoch nicht extra anfordern.
  • Bitte haben Sie Ihren aktuellen Medikamentenplan zur Hand.
  • Falls ein Pflegedienst zu Ihnen kommt, legen Sie auch die Pflegedokumentation vor. 
  • Gestalten Sie beim Begutachtungstermin den Tagesablauf wie sonst auch. Nur so erhält der Gutachter einen möglichst realistischen Eindruck von der Pflegesituation.
  • Sie sollten keinesfalls etwas "beschönigen" oder "verschweigen", sondern offen Ihren täglichen Unterstützungsbedarf schildern (d.h. alle Hilfestellungen, die Angehörige, Nachbarn etc. für Sie erbringen).
  • Achten Sie darauf, dass alle wesentlichen Tätigkeiten angesprochen werden.

Manchmal ist es erforderlich, dass der Gutachter auch mit Angehörigen und Pflegepersonen allein  spricht, um offen über den notwendigen Pflegebedarf sprechen zu können. Dies ist besonders bei Personen mit psychischen Störungen und /oder z.B. einer Demenz zu empfehlen. Der Gutachter legt bei der Beurteilung der einzelnen Pflegeleistungen zugrunde, wie selbstständig bestimmte Tätigkeiten durchgeführt werden können. Wenn Sie für die Pflege Ihres Angehörigen viel Zeit benötigen (z.B. weil Sie ihn bei bestimmten Tätigkeiten anleiten oder beaufsichtigen müssen), dann machen Sie das deutlich.

Es ist grundsätzlich empfehlenswert, dass pflegende Angehörige den Termin der Begutachtung mit wahrnehmen und der Pflegebedürftige nicht mit der Situation allein gelassen wird.

Pflegebedürftige erhalten automatisch eine Auskunft, ob die Durchführung einer Rehabilitationsmaßnahme angezeigt ist und welche Hilfsmittel für die Pflege benötigt werden. Die im Gutachten eingetragenen Hilfsmittel müssen dann nicht mehr durch einen Arzt verschrieben werden.

Widerspruch

Wenn Sie mit der Feststellung der Pflegekasse nicht einverstanden sind, können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch erheben. Dieser muss schriftlich bei der Pflegekasse eingereicht werden. Prüfen Sie, ob das gutachten alle wichtigen Punkte enthält und ob die angegebenen Punktwerte realistisch sind. vergleichen Sie die Angaben mit Ihren eigenen Aufzeichnungen.

Wenn ein Pflegedienst bei Ihnen tätig ist, kann dieser beim Widerspruch behilflich sein.
Bei Fragen oder Problemen hinsichtlich der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit wenden Sie sich

 

Feststellung der Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftig (im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes) sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit und Fähigkeiten aufweisen und deshalb Hilfe durch andere benötigen. Es muss sich dabei um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig ausgleichen oder bewältigen können. Die so beschriebene Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate bestehen.

Das Ausmaß des Pflegebedarfs wird von Gutachtern und Gutachterinnen des MDK (Medizinscher Dienst der Krankenkassen) begutachtet. In einem Hausbesuch wird ermittelt, wie selbstständig die Lebensführung in bestimmten Lebensbereichen gelingt. Eine Auflistung dieser Lebensbereiche, genannt Module, finden Sie mit einigen Beispielen hier:

1. Mobilität 

  • Positionswechsel im Bett
  • Halten einer stabilen Sitzposition
  • Fortbewegen innerhalb des Wohnbereiches
  • Treppensteigen

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

  • Örtliche und zeitliche Orientierung
  • Treffen von Entscheidungen
  • Erkennen von Risiken und Gefahren
  • Mitteilen elementarer Bedürfnisse
  • Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen

3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

  • Nächtliche Unruhe
  • Selbstschädigendes und autoagressives Verhalten
  • Wahnvorstellungen
  • Ängste
  • Antriebslosigkeit

4. Selbstversorgung

  • Waschen einzelner Körperregionen
  • An- und Auskleiden
  • Essen und Trinken
  • Benutzen einer Toilette

5. Bewältigung von und Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

  • Medikation
  • Messung und Deutung von Körperzuständen
  • Verbandwechsel und Wundversorgung
  • Arztbesuche
  • Besuch medizinischer und therapeutischer Einrichtungen

6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

  • Gestaltung eines Tagesablaufes und Anpassung an Veränderungen
  • Ruhen und Schlafen
  • Interaktion und Kontaktpflege mit Personen
  • Sich beschäftigen

Zusätzlich werden auch außerhäusliche Aktivitäten und die Haushaltsführung berücksichtigt und begutachtet. diese Module werden aber nicht für die Eingruppierung in einen Pflegegrad berücksichtigt, sondern dienen dazu, einen passgenauen Versorgungsplan erstellen zu können.

 

Klassifikation von Selbstständigkeit

In den oben beschriebenen Modulen wird bewertet, in welcher Ausprägung die Selbstständigkeit bzw. die Fähigkeiten beeinträchtigt, bzw. vorhanden sind. Dabei gelten folgende Definitionen:

Selbstständig

Die Person ist fähig, eine Handlung oder Aktivität allein, d.h. ohne Unterstützung einer anderen Person durchzuführen. Selbstständig ist auch, wer eine Handlung unter Nutzung von Hilfsmitteln durchführen kann.

Überwiegend selbstständig 

Die Person kann den größten Teil der Aktivität selbstständig durchführen. Es entsteht nur geringer/mäßiger Aufwand für die Pflegeperson, etwa durch Zurechtlegen von Gegenständen oder sonstigen Vorbereitungsmaßnahmen, Anstoßgeben durch Aufforderung, einzelne Handreichungen, Anwesenheit aus Sicherheitsgründen.

Überwiegend unselbstständig

Die Person kann die Aktivität nur zu einem geringen Grad selbstständig durchführen. Es sind aber Ressourcen vorhanden, so dass sie sich beteiligen kann. Dies setzt ggf. ständige Anleitung oder aufwändige Motivation auch während der Aktivität voraus oder Teilschritte der Handlung müssen übernommen werden. Zurechtlegen und Richten von Gegenständen, wiederholte Aufforderungen oder punktuelle Unterstützungen reichen nicht aus.

Unselbstständig 

Die Person kann die Aktivität in der Regel nicht selbständig durchführen oder steuern, auch nicht in Teilen. Es sind kaum oder keine Ressourcen vorhanden. Motivation, Anleitung, ständige Beaufsichtigung reichen auf keinen Fall aus. Die Pflegeperson muss alle oder nahezu alle Teilhandlungen anstelle der betroffenen Person durchführen. Eine minimale Beteiligung ist nicht zu berücksichtigen (z.B. wenn sich die Person nicht durchgehend und nur mit kleinen Teilhandlungen beteiligt).

Pflegegrad

Aus den Punktwerten in den einzelnen Modulen wird ein "Gesamtpunktwert" errechnet. Aus ihm leitet sich der Pflegegrad ab:

 

Zuordnung Punktwert zu Pflegegrad
Punktwert Pflegegrad (PG) Erläuterung
unter 12,5 kein Pflegegrad  
12,5 bis unter 27 1 geringe Beeinträchtigung
27 bis unter 47,5 2 erhebliche Beeinträchtigung
47,5 bis unter 70 3 schwere Beeinträchtigung
70 bis unter  90 4 schwerste Beeinträchtigung
90 bis unter 100 5 schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

 

Leistungen in den Pflegestufen

Die Pflegekasse zahlt je nach Pflegegrad die im Folgenden näher erläuterten Leistungen.

Neu ist seit dem 01.01.2017 der Pflegegrad 1. Dabei handelt es sich vorrangig um Pflegebedürftige, die körperlich beeinträchtigt sind und nur einen geringen Bedarf an Unterstützung (z.B. kleine Hilfen bei der Selbstversorgung, beim Verlassen der Wohnung oder in der Haushaltsführung) haben. Dieser Personenkreis hatte nach der "alten" Gesetzgebung noch keinerlei Zugang zu Leistungen der Pflegekasse und ist neu in den Kreis der Leistungsberechtigten aufgenommen worden. Personen, die in den Pflegegrad 1 eingestuft wurden, können folgende Leistungen der Pflegekassen beziehen:

  • Pflegeberatung durch die Pflegekassen oder beauftragte Stellen auch in der eigenen Häuslichkeit
  • Wohngruppenzuschlag für Leistungen in ambulant betreuten Wohngrupppen
  • Versorgung mit Pflegehilfsmitteln
  • Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen
  • Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen
  • Entlastungsbetrag von bis zu 125 € für Angebote zur Unterstützung im Alltag oder als monatlicher Zuschuss für eine vollstationäre Einrichtung

Pflegegeld für häusliche Pflege

Sofern die Pflege zu Hause geleistet wird, können Sie zwischen Pflegegeld, Sachleistungen (z.B. für einen Pflegedienst) oder einer Kombination aus beidem wählen (Kombinationsleistung). 

Pflegegeld

Wird die Pflege durch Angehörige oder Bekannte geleistet, wird Pflegegeld gezahlt. Eine Ausnahme gilt für den Pflegegrad 1. Hier steht Ihnen ein Entlastungsgeld von bis zu 125 € zu, die allerdings nicht als Geldleistung ausgezahlt werden, sondern für die Inanspruchnahme von Angeboten zur Unterstützung im Alltag oder als monatlicher Zuschuss in einer stationären Einrichtung genutzt werden können.
Für alle anderen beträgt das Pflegegeld je Kalendermonat:

monatliches Pflegegeld in den einzelnen Pflegegraden
Pflegegrad monatliches Pflegegeld
2 316 €
3 545 €
4 728 €
5 901 €

Leistungen für den Pflegedienst

Entscheiden Sie sich für die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst, so übernimmt die Pflegekasse monatlich folgende Sachleistungen:

monatliche Sachleistungen in den einzelnen Pflegegraden
Pflegegrad monatliche Sachleistung
2 689 €
3 1.298 €
4 1.612 €
5 1.995 €

Die Pflegedienste rechnen Ihre Leistungen in den sogenannten "Leistungskomplexen" ab. Die Leistungskomplexe beschreiben einzelne Pflegetätigkeiten z.B. die Ganzwaschung oder das Einkaufen.

Kombinationsleistung aus Pflegedienst und Pflegegeld

Auch die Kombination von Pflege durch einen ambulanten Dienst und Auszahlung von Pflegegeld ist möglich. sollten Sie die Pflege eines ambulanten Pflegedienstes nur zum Teil in Anspruch nehmen, zahlt die Pflegekasse ein anteiliges, prozentuales Pflegegeld aus.

Pflegezeitgesetz/Familienpflegezeit

Seit dem 01. Juli 2008 besteht für pflegende Angehörige, die berufstätig sind, unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, sich für zehn Tage für die Pflege naher Angehöriger freistellen zu lassen. Arbeitnehmer, die in einem Betrieb mit mehr als 14 Beschäftigten tätig sind, können sich für sechs Monate freistellen lassen. Schon bisher konnten Beschäftigte eine zehntägige Auszeit von der Arbeit nehmen, wenn sie kurzfristig eine neue Pflegesituation für einen nahen Angehörigen organisieren müssen. "Neu" seit 2015 ist, dass sie nun, für einen pflegebedürftigen Angehörigen für bis zu zehn Arbeitstage Anspruch auf Lohnersatzleistung haben, das Pflegeunterstützungsgeld. Dieses können Sie bei der Pflegeversicherung Ihres Angehörigen beantragen. Beschäftigte, die sich nach dem Pflegezeitgesetz für eine bis zu sechsmonatige teilweise oder vollständige Freistellung entscheiden, haben mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes einen Anspruch auf Förderung durch ein zinsloses Darlehen. Dieses Darlehen zur besseren Absicherung des Lebensunterhaltes können Sie direkt beim Bundesministerium für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragen. Wer sich über einen längeren Zeitraum um einen pflegebedürftigen Angehörigen in häuslicher Umgebung kümmern muss, kann eine Freistellung nach dem Familienpflegegesetz in Anspruch nehmen. Beschäftigte sind für die Dauer von bis zu 24 Monaten bei einer verbleibenden Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden hierfür teilweise freizustellen. Der Anspruch auf ein zinsloses Darlehen besteht auch bei der Familienpflegezeit. Näheres zu den Regelungen und weiteres (bis zu drei Monate für die Begleitung in der letzten Lebensphase/Besonderheiten für die Betreuung minderjähriger pflegebedürftiger naher Angehöriger) lesen Sie hier: www.wege-zur-pflege.de/neu-seit-112015.html  

Tagespflege

Wenn die häusliche Pflege nicht ausreichend sichergestellt werden kann oder pflegende Angehörige einen stundenweise Entlastung im Tagesverlauf benötigen, besteht die Möglichkeit, Tagespflegeeinrichtungen in Anspruch zu nehmen. Pflegebedürftige, die einen Pflegegrad von mindestens zwei haben, können diese sogenannten "teilstationären Leistungen" zusätzlich zu dem Pflegegrad und/oder der Pflegesachleistung in Anspruch nehmen.

monatliche Sachleistung in Tagespflegeeinrichtungen in den einzelnen Pflegegraden
Pflegegrad monatliche Sachleistung bei Besuch einer Tagespflegeeinrichtung
1 125 €
2 689 €
3 1.298 €
4 1.612 €
5 1.995 €

Bei Vorliegen des Pflegegrades 1 wird die Sachleistung nur als Kostenerstattung für anerkannte Unterstützungsangebote gezahlt.

Verhinderungspflege

Bei Urlaub oder sonstiger Verhinderung der Pflegeperson übernimmt die Pflegekasse die Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für längstens 6 Wochen bis zu einem Gesamtbetrag von 1.612 € je Kalenderjahr.

Der Anspruch auf Urlaubsvertretung besteht erst, wenn die pflegebedürftige Person mindestens in Pflegegrad 2 eingestuft wurde und vor der erstmaligen Verhinderung mindestens 6 Monate in seiner häuslichen Umgebung gepflegt wurde. Der Betrag von 1.612 € kann durch noch nicht in Anspruch genommenen Mittel aus der Kurzzeitpflege aufgestockt werden, auf insgesamt bis zu 2.418 €. Der Anspruch auf Kurzzeitpflege verringert sich dann entsprechend.

Bei Ersatzpflege durch nahe Angehörige werden die Aufwendungen grundsätzlich auf den 1,5 fachen Betrag des Pflegegeldes des festgestellten Pflegegrades beschränkt.

Lassen sie sich vor Antritt der Verhinderungspflege von der zuständigen Pflegekasse über die Höhe, die "Einsatzmöglichkeiten", und die Dauer der Leistungen und des ggf. weitergezahlten Pflegegeldes umfassend beraten.

Kurzzeitpflege

Viele Pflegebedürftige sind nur für eine begrenzte Zeit auf eine Versorgung rund um die Uhr in einer stationären Pflegeeinrichtung angewiesen. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die häusliche Pflege nicht ausreichend sichergestellt ist oder der Übergang vom Krankenhaus in das eigene Zuhause kurzfristig nicht möglich ist. In einer solchen Situation besteht ein Anspruch auf Kurzzeitpflege für längstens acht Wochen bis zu einem Betrag von 1.612 € je Kalenderjahr.

Der Anspruch auf eine Kurzzeitpflege besteht, wenn die pflegebedürftige Person mindestens in Pflegegrad 2 eingestuft wurde. dieser Betrag kann flexibel eingesetzt werden, das heißt, er muss nicht "an einem Stück" in Anspruch genommen werden. je nach Bedarf lassen sich also mehrere kürzere Zeiträume hierüber finanzieren.
Personen mit Pflegegrad 1 können den Entlastungsbetrag von 125 € monatlich auch für die Kurzzeitpflege aufwenden.

Der Betrag von 1.612 € kann durch noch nicht in Anspruch genommene Mittel aus der Verhinderungspflege aufgestockt werden, auf insgesamt bis zu 3.224 € jährlich. Der Anspruch auf Verhinderungspflege verringert sich  dann entsprechend.
Lassen Sie sich vor Antritt der Kurzzeitpflege von der zuständigen Pflegekasse über die Höhe, die Dauer der Leistungen und des ggf. weitergezahlten Pflegegeldes umfassend beraten.

Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen

Die Pflegekasse kann für notwendige Umbaumaßnahmen in der Wohnung einen Zuschuss von maximal 4.000 € gewähren. Den Zuschuss erhalten Personen, bei denen der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK) mindestens den Pflegegrad 1 festgestellt hat. Mögliche Umbaumaßnahmen sind z.B.: die Verbreiterung von Türen, die Beseitigung von Schwellen oder der Einbau einer bodengleichen Dusche. Die Umbaumaßnahme muss bei der Pflegekasse beantragt werden. Weitere Informationen zur Wohnraumanpassung und zur Finanzierung einzelner Maßnahmen erhalten Sie bei der Wohnberatung.

Pflegehilfsmittel

Die Pflegekasse übernimmt Kosten für Pflegehilfsmittel, wenn Sie die Pflege erleichtern, die Beschwerden lindern ode eine möglichst selbstständige Lebensführung ermöglichen.

Für die Kosten der zum Verbrauch bestimmten Hilfsmittel (wie z.B. Einmalhandschuhe, Mundschutz, Desinfektionsmittel, etc.) erhalten Sie einen Betrag von bis zu 40 € im Monat. Diese Leistung kann auch in Form einer Kostenerstattung erbracht werden.  Bitte erkundigen Sie sich hierzu bei Ihrer Pflegekasse. Technische Hilfsmittel (z.B. Krankenbetten, Rollstühle/Gehhilfen, Badewannenlifter usw.) werden in den meisten Fällen leihweise von der Pflegekasse zur Verfügung gestellt.

Entlastungsbetrag

Wer pflegeversichert ist, bekommt zusätzlich zu den bereits genannten Leistungen monatlich einen sogenannten "Entlastungsbetrag" in Höhe von 125 €.  Dieses Geld kann eingesetzt werden, um pflegende Angehörige zu entlasten oder stundenweise eine zusätzliche Unterstützung oder ein Freizeitangebot in Anspruch zu nehmen. Das Geld kann jedoch nur von anerkannten Einrichtungen und Diensten abgerechnet werden. Wer das ist, erfahren Sie bei Ihrer Pflegekasse oder dem PflegeStützPunkt der Stadt Bielefeld.

Pflege im Heim

Manchmal gibt es Situationen, in denen die Versorgung eines pflegebedürftigen Menschen zu Hause dauerhaft nicht mehr sichergestellt werden kann. Dann ist der Umzug in eine vollstationäre Einrichtung, also ein Pflegeheim, eine Möglichkeit. Die Pflegekasse kann die Notwendigkeit der vollstationären Pflege vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung prüfen lassen, Auch hier hängt die Höhe der Leistung der Pflegekasse von dem Pflegegrad ab.

Entsprechend des Pflegeaufwandes gewährt die Pflegekasse einen pauschalen Betrag (Pflegesatz), der für den Pflegeaufwand, die medizinische Behandlungspflege und die soziale Betreuung im Heim bestimmt ist. Hier gelten folgende Sätze: 

monatlicher Pflegesatz bei vollstationärer Unterbringung
Pflegegrad monatlicher Pflegesatz bei Heimunterbringung
1 125 €
2 770 €
3 1.262 €
4 1.775 €
5 2.005 €

Die Kosten für einen Heimplatz setzen sich aus den Pflegekosten, den Kosten für Verpflegung und Unterkunft, sowie den Investitionskosten zusammen. Sie unterscheiden sich von Heim zu Heim. Der Eigenanteil zu den Pflegekosten, die Kosten für Unterbringung, Verpflegung und die Investitionskosten müssen vom Pflegebedürftigen selbst getragen werden.
Zur Deckung der Heimkosten müssen pflegebedürftige Menschen ihr eigenes Einkommen und ihr Vermögen einsetzen. In NRW kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Pflegewohngeld für den Teil der Investitionskosten beantragt werden. Decken die Leistungen der Pflegekasse, Eigenleistungen und Pflegewohngeld die Kosten nicht, muss ein Antrag auf Hilfen in Einrichtungen beim Amt für soziale Leistungen - Sozialamt - der Stadt Bielefeld gestellt werden.

Sollten sich unerwartete Probleme in einem Heim ergeben, macht es immer Sinn, zuerst mit den zuständigen Personal zu sprechen. Lassen sich die Probleme vor Ort nicht klären, können Sie sich an die Heimaufsicht der Stadt Bielefeld oder an den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung wenden. 

Weitere Leistungen

Neben den beschriebenen Leistungen gewährt die Pflegekasse bei häuslicher Versorgung weitere Leistungen, wie z.B. Pflegekurse oder Leistungen zur sozialen Sicherung der Pflegepersonen. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie bei Ihrer Pflegekasse oder bei Ihrem PflegeStützPunkt